Drucken

Orientierungspunkt am Zürichsee: Der Hochkamin der Papierfabrik Horgen

Orientierungspunkt am Zürichsee: Der Hochkamin der Papierfabrik Horgen

Ein Jahr nachdem der Kamin der ehemaligen Papierfabrik in Horgen unter Schutz gestellt und saniert wurde, prangt wieder der ursprüngliche Schriftzug "Papierfabrik" am 40m hohen Zeitzeugen.

Lesen Sie hier die ganze Geschichte über den Hochkamin in Horgen.

Neu beschrifteteter Kamin in Horgen, Oktober 2015
Papiiri-Kamin Horgen

Die Gemeinde Horgen hat eine lange Tradition als Industriegemeinde am linken Zürichseeufer, vor allem was die Seidenindustrie betrifft. Die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre führte zum Ende der Horgener Seidenindustrie. An ihre Stelle trat Mitte der 1940er Jahre die Textilmaschinenindustrie und brachte vier Textilmaschinenfabriken, die Elektroschalterfabrik Feller und die etwas kleinere Papierfabrik nach Horgen.

Die Papierfabrik Horgen befand sich ortsauswärts am Ufer des Zürichsees. Der dazugehörige Backsteinkamin ist heute einer der letzten Zeugen der industriellen Vergangenheit Horgens und zudem einer der letzten Hochkamine am ganzen linken Zürichseeufer. Der Hochkamin stellt gemäss dem Bundesinventar für schützenswerte Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS) einen wichtigen Orientierungspunkt, sowohl vom Hang als auch vom Wasser aus, dar.

Der Gemeinderat von Horgen entliess den Hochkamin der ehemaligen Papierfabrik 2013 aus dem Inventar schutzwürdiger Bauten. In der Bevölkerung regte sich grosser Widerstand, gilt der Backsteinkamin doch für viele als Wahrzeichen von Horgen. Eine aus dem Widerstand herausgewachsene Interessensgruppe forderte die Umsetzung des 2002 von den Stimmbürgern gutgeheissenen Gestaltungsplans, auf Grund dessen der Hochkamin instand gestellt und geschützt werden muss. Die Interessensgruppe forderte zudem die Wiederaufnahme des Hochkamins in das Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung.

Die Papierfabrik Horgen 1956

Der Zürcher Heimatschutz (ZVH) setzte sich für den „Papiiri-Kamin“ ein und wehrte sich erfolgreich gegen die Inventarentlassung beim Baurekursgericht des Kantons Zürich. Im Urteil vom 12. März 2014 rügt das Baurekursgericht das Vorgehen der Gemeinde. Obwohl auf dem Areal der ehemaligen Papierfabrik Neubauten geplant sind, muss der Kamin gemäss Baurekursgericht stehen bleiben. Mit dem Urteil des Baurekursgerichts kommt dem Hochkamin eindeutig der Status eines kunst- und kulturhistorischen Schutzobjektes zu. Dieser Status wurde sowohl von der Gemeinde Horgen als auch von den Bauherren Specogna Immobilien AG nicht berücksichtigt.  Das Baurekursgericht hielt fest, dass der Kamin: „[…] für sich alleine sehr wohl und für jedermann offensichtlich Zeugnis einer an diesem Ort einst vorhandenen Industrieanlage und der entsprechenden Epoche geblieben ist.“ Mit diesem Urteil ist nun klar, dass der „Papiiri-Kamin“ in Horgen stehen bleiben muss, und damit als schützenswertes Ortsbild von Horgen gewahrt wird.

Autorin: Stefanie Magel, Geschäftsstelle ZVH

Transparent 2013: "Rettet mich"

Kontakt

Zürcher Heimatschutz ZVH
Eichstrasse 29
8045 Zürich
T 044 340 03 03
F 044 340 03 35
E-Mail info(at)heimatschutz-zh.ch